So sah es vor 50 Jahren auf dem Rappenhof aus



Juliane von Krüdener
aus
"Das Kernerhaus und
seine Gäste"
von Theobald Kerner,
Sohn von Justinus Kerner
sie den
Rappenhof bei Weinsberg zum bleibenden Aufenthalt
ausersehen. Ihr zur Seite stand eine Art von Hofmeister oder Verwalter,
der sie in ihren Plänen unterstützte und in Heilbronn
viele seidene Bänder einkaufte, die sie als Ordenszeichen an
ihre Anhänger verteilte, wodurch sie sich die Ungnade ihres
Königs zuzog und ihre Ausweisung aus Württemberg
bevorstand. In demselben Jahre übernachtete auf der Durchreise
nach Paris Kaiser Alexander von Rußland in dem am Marktplatz
angelegenen von Rauchschen Hause in Heilbronn. Er hatte eine schlaflose
Nacht und in qualvoller Sorge über die damalige Weltlage und
wie er dabei einzugreifen habe, soll er vor seinem Bett knieend Gott
gebeten haben, ihm einen Menschen zu senden, der ihm das richtige rate.
Plötzlich meldete ihm ein Adjutant im Vorzimmer stehe eine
sonderbare Dame, die lasse sich durchaus nicht abweisen, und behaupte,
sie müsse den Kaiser sprechen, sie nenne sich Frau von
Krüdener. "Sie soll eintreten, sie soll sogleich eintreten!"
rief der Kaiser, "Gott hat mein Gebet erhört"! und er hatte
eine lange Unterredung mit Frau von Krüdener. Den anderen
Morgen reiste er ab, zwei Tage darauf folgte ihm die geistreiche,
abenteuerliche Frau und soll auf den zum Mystizismus geneigten Kaiser
großen Einfluß geäußert und viel
zur Stiftung der heiligen Allianz beigetragen haben. Wenn mein Vater
vom Geisterturm oder der Weibertreu aus den Fremden den Rappenhof
zeigte und dabei die Geschichte der Frau von Krüdener
erzählte, fügte er oft scherzend hinzu: "die heilige
Allianz ist eigentlich in Weinsberg entstanden und gehört auch
zu den kakodämonischen Erscheinungen." Das Bild der Frau
Krüdener, das sie auf dem Rappenhof über ihrem
Schreibtisch hängen hatte, erkaufte mein Vater in einer
Auktion
und es ist jetzt in meinem Besitz.